Als die Engel mir begegneten

Endlich war es wieder soweit. Ich war im Kloster angekommen. Sobald sich hinter mir das Klostertor schloss, war ich in einer anderen Welt. Weit entfernt vom Alltag und seinen Herausforderungen. Material zum Malen hatte ich genug dabei, Zeit dazu auch. Der grosse Klostergarten winkte mir durch einen Windhauch einladend zu.

Das ganze Kloster-Atelier stand mir zur Verfügung. Manchmal kamen die Schwestern zu Besuch, die eine oder andere, um mit zu malen. Oder um zu sehen was Neues entstanden war. Allen voran mein Tantchen, eine zierliche, liebenswürdige Klosterfrau. Durch sie erkannte ich schon früh die Bedeutung von «der Berufung folgen». Ein bisschen beneidete ich sie. Sie kannte ihren Weg, ging ihn konsequent und mit Freude. Sie wusste genau wohin sie gehört.

Im Job lief es nicht so gut. Ich hatte mich vor kurzem aus einer Beziehung gelöst. So freute ich mich auf ein paar ruhige Tage im Kloster, wo ich mich um nichts anderes zu kümmern hatte.

Oft setze ich mir ein Thema

Es war ungewohnt so viel zu malen, ohne die alltägliche Ablenkung. So setzte ich mir für jedes Bild ein Thema, spürte in das Energiefeld hinein, und liess meiner Kreativität und der Pastellkreide freien Lauf. Es entstanden verschiedene Energiebilder. Zwischendurch gings mal in den Garten, um die Farben der Blumen zu bewundern. 
Da kam die Idee, mich doch mal an ein schmales Format zu wagen, einfach um zu sehen was entstehen könnte. Neues auszuprobieren zeigte mir oft neue Möglichkeiten. Während ich noch über das Thema nachdachte, kam Besuch von den Schwestern. Nein nein, sie wollen nicht stören, nur schauen. Ich malte weiter, erklärte was zu den Bildern, malte weiter und so ging es hin und her. Es war eine herzliche Atmosphäre mit fröhlichem Geplauder.

Die Entdeckung

Dann schellte es, und schon waren wieder alle verschwunden. Ich setzte mich hin und schaute an was da so zufällig entstanden war. Dann sah ich es, ich konnte es kaum glauben, das war doch ein Engel? Eine besondere Aufregung erfasste mich, ich wollte weiter machen, da die Andeutung der Flügel, dort der Kopf. Ein Glücksgefühl sondergleichen stieg in mir hoch.
Vor diesem Moment malte ich überhaupt keine Engel. Der Gedanke, alles an die Engel, vor allem die Verantwortung abzugeben empfand ich schon immer als falsch. 

Ich konnte es kaum erwarten es jemandem zu zeigen. Zum Glück musste ich nicht allzu lange drauf warten.
Beim Essen wurde nicht gesprochen. Eine der Schwestern, die auch gerne malte, zeigte mir beim Essen verteilen mit einem Handzeichen, dass sie sich mitfreute. Ich weiss nicht wie sie das machen, doch irgendwie wussten die Schwestern immer alles.

Es war aufregend

Kein Wunder, es war eine Entdeckung für mich. Nachts träumte ich, wie ich die Ärmel malen könnte. Das mache ich heute noch so) Am nächsten Morgen kam die Oberin ins Atelier, und gab mir ein Buch über Engel von Amseln Grün. Engel für verschiedene Gelegenheiten waren darin beschrieben. Das war genau das Richtige für mich. Durch das Buch zeigte sich der nächste Engel. Es war der Engel der Heilung. Ich bat ihn inständig um Hilfe, die Enttäuschung und den Schmerz über die zerbrochene Beziehung zu diesem Mann zu lindern. Es war unglaublich, ich spürte diese Kraft durch mich hindurch fliessen.
Als drittes Bild zeigte sich der Engel der Dankbarkeit. Ich war sehr dankbar. Ich hatte die Engel nicht gesucht, sie hatten mich gefunden. Die besondere Atmosphäre des Klosters hat bestimmt ihren Teil dazu beigetragen.

Seit diesem Moment male ich Engel

Als eine Malerkollegin anfing, täglich ein Bild zu malen, dachte ich mir: Wie wäre es, täglich einen Engel zu malen? Wie lange würde ich das durchziehen?
Als Autodidaktin liebe ich anregende Herausforderungen. Die ersten Daily-Engel malte ich in Öl, und so nach und nach malte ich mit allem was ich kannte oder auch nicht. Es ist kaum zu glauben, doch ich schaffte es bis auf 534 Engel. Es war die beste «Kunstschule» die ich je besucht habe.
Der erste Engelkalender wurde daraus geboren, vor kurzem veröffentlichte ich den 10. Kalender. Ein lustiges Engelkartenset ist mehr durch Zufall entstanden. 
Ich schätze die Engel sehr. Sie lösen nicht meine Probleme. Doch sie zeigen mir andere Sichtweisen, von ihnen lerne ich was bedingungslose Liebe und Wertschätzung ist. Genau genommen zeigen sie mir, wie ich eine bessere Beatrice sein kann. Immer wieder und mit Engelsgeduld…